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Winterarbeitslosigkeit: in erster Linie ein klimatisches Problem

MEDIENMITTEILUNG

Wie in anderen Gebirgskantonen besteht auch im Bauhauptgewerbe des Kantons Wallis objektiv betrachtet eine Winterarbeitslosigkeit, die in erster Linie auf ungünstige Witterungsverhältnisse zurückzuführen ist. Allerdings sind auch andere, zum Teil komplexe Faktoren, zu berücksichtigen und die öffentliche Hand spielt dabei eine massgebende Rolle. Das sind im Wesentlichen die Schlussfolgerungen der Studie, welche die HES-SO Wallis im Auftrag des Walliser Baumeisterverbands (WBV) durchgeführt hat. Der Verband setzt sich für die Lösungen ein, welche im Rahmen dieser Studie, insbesondere in Bezug auf die Staffelung der Auftragsvergaben, vorgeschlagen werden.

Das Walliser Bauhauptgewerbe wird oft in Verruf gebracht, weil die Arbeitslosenrate in dieser Branche im Winter stark ansteigt (+ 31% im Jahr 2015) und in dieser Periode weit über dem Schweizer Durschnitt liegt. Das SECO sieht in dieser Situation einen Missbrauch der Arbeitslosenversicherung.

Mit dem Ziel, diese Situation objektiv zu analysieren, hat der WBV bei der HES-SO Wallis eine Studie in Auftrag gegeben. Sie sollte aufzeigen, in welchem Mass sich das Verhalten der Walliser Unternehmen in Bezug auf die Winterarbeitslosigkeit vom Verhalten derjenigen Unternehmen unterscheidet, welche in Graubünden und im Tessin tätig sind. Durch das Einholen von  Informationen bei den Walliser Unternehmern sollten ebenfalls die Ursachen dieser Situation offengelegt und Verbesserungsmöglichkeiten festgehalten werden.

In erster Linie das Klima

Die Ergebnisse bestätigen die Existenz einer Winterarbeitslosigkeit im Bauhauptgewerbe in den oben erwähnten Kantonen. Diese ist im Wallis und im Graubünden stärker ausgeprägt, da die Branche in diesen Kantonen für die Wirtschaft wichtiger ist als im Tessin. Logischerweise fallen in diesen beiden Kantonen die Arbeitslosenzahlen in der Bauwirtschaft entsprechend höher aus. Diese Situation ist in erster Linie mit ungünstigen Witterungsverhältnissen zu erklären. Das schlechte Wetter und die Kälte sind sehr oft verantwortlich für den Unterbruch der Arbeiten auf höher gelegenen Baustellen während der Wintermonate. Das Wallis ist besonders stark betroffen, da 40% der Arbeit der befragten Unternehmen in den Tourismusstationen ausgeführt wird. Ein Viertel der Unternehmen ist sogar zu 80% in diesen Stationen tätig.

Obwohl die klimatischen Bedingungen jedes Jahr unterschiedlich sind, ist trotzdem eine gewisse Stabilität in der Winterarbeitslosigkeit festzustellen, was darauf hindeutet, dass das Klima nicht allein dafür verantwortlich ist. Die Studie zeigt auf, dass die Ursachen komplex und vielfältig sind und dass politische und wirtschaftliche Anreize eine bedeutende Rolle spielen. Sowohl öffentliche als auch private Bauherren entscheiden sich nämlich selten für eine Ausführung der Arbeiten während der Wintermonate. Die Auftragsbestände der Unternehmen sind deshalb während dieses Zeitraums ungenügend. Dies gilt noch vermehrt für das Wallis, weil in unserem Kanton die  Gemeindereglemente die Arbeiten in den Stationen während der Tourismussaison drastisch einschränken.

Die hohe Winterarbeitslosigkeit im Wallis kann teilweise auch dadurch erklärt werden, dass unser Kanton am wenigsten Grenzgängerbewilligungen ausstellt: 4% für die Arbeitnehmer der Branche gegenüber 18% im Graubünden und 50% im Tessin. Die Personen, welche über eine solche Bewilligung verfügen, werden in den betroffenen Kantonen nicht registriert, wenn sie Arbeitslosengeld beziehen, und so werden die interkantonalen Vergleiche verfälscht.

Lösungen, die zu fördern sind

Die Studie der HES-SO enthält im Allgemeinen mehrere Ansätze, um die Winterarbeitslosigkeit zu reduzieren. Für das Wallis schlägt sie insbesondere die Wiedereinführung der Kurzarbeit, den erleichterten Zugang zu Schlechtwetterentschädigungen und die Staffelung der Arbeiten vor.

Für den WBV stellt die Staffelung der Auftragsvergaben der Gemeinwesen eine Priorität dar, umso mehr, als das Pilotprojekt mit den Gemeinden Grimisuat, Collombey-Muraz und Leuk mit seinen Ergebnissen überzeugt. Einerseits würde dadurch die Annualisierung der Arbeitszeit, die seit mehreren Jahren ohne schlüssige Ergebnisse zur Anwendung gelangt,  gefördert.  Gegenwärtig vermag nämlich die längere Arbeitszeit während der Sommermonate die schwache Tätigkeit während des Winters nicht zu kompensieren. Andererseits würde dadurch den Unternehmern der Zugang zu Schlechwetterentschädigungen ermöglicht, die nur beantragt werden können, wenn eine Baustelle in Betrieb ist und aufgrund der Wetterbedingungen vorübergehend eingestellt werden muss.

Schliesslich stellt der WBV mit Befriedigung fest, dass die Winterarbeitslosigkeit auf objektiven Gründen beruht. Es sind also nicht die Unternehmer, welche aus Bequemlichkeit oder zum eigenen Vorteil zu dieser Situation beitragen. Der WBV wird sich für die Umsetzung der empfohlenen Lösungen einsetzen.

Sitten, den 22. Februar 2017

Ansprechpersonen für die Medien

Alain Métrailler, Präsident des WBV, 079 230 99 77

Serge Métrailler, Direktor des WBV, 079 794 66 34

Valérie Barbey, Professorin HES-SO, 079 543 58 53

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