Leitungskataster: Das Wallis muss seinen Untergrund vernetzen

Zersplitterte Pläne, unterschiedliche Formate, ungleichmässiger Zugang: Das künftige Schweizer Leitungskataster verspricht, Baustellen sicherer und reibungsloser zu gestalten. Für das Wallis wird es darauf ankommen, die Daten zu organisieren, ohne die Gemeinden zu übergehen.

Unter den Walliser Strassen verlaufen die Netze für Wasser und Abwasser, Strom, Gas, Telekommunikation oder Fernwärme kreuz und quer. Die Kenntnisse darüber sind nach wie vor fragmentiert: Pläne, Formate und der Grad der Digitalisierung variieren je nach Gemeinde und Betreiber. Das Schweizer Leitungskataster soll diese Informationen in einer einheitlichen Darstellung zusammenführen, die landesweit auf dem neuesten Stand gehalten wird.

«Was fehlt, ist die Digitalisierung der Daten und die Harmonisierung des Zugangs zu ihnen», fasst Rainer Oggier, Chef der Dienststelle für Geoinformation und Kantonsgeometer, zusammen. Im Wallis gibt es derzeit keine kantonale Rechtsgrundlage, die eine systematische Erfassung dieser Daten ermöglicht. Sie werden weiterhin von den Gemeinden und den Netzbetreibern verwaltet.

2027 – ein Ziel, das in weite Ferne rückt

Der Bund spricht von einem Beginn der Umsetzung frühestens im Jahr 2027, gefolgt von einer mehrjährigen Einführungsphase. Dieser Zeitplan hängt jedoch von der Revision des Bundesgesetzes über Geoinformation für den Leitungskataster ab. «Es ist unwahrscheinlich, dass sich die Dinge schon ab nächstem Jahr so schnell entwickeln», schätzt Rainer Oggier.

Das Projekt wird sowohl institutioneller als auch technischer Natur sein. Das vorgesehene Szenario basiert auf einer Plattform, die von den Gemeinden, den Betreibern und dem Kanton mit Daten gespeist wird und die Verbindung zum nationalen System herstellt. Es gilt, die erforderlichen Daten und gemeinsame Regeln festzulegen, aber auch die Kosten, die Aktualisierung und die Zuständigkeiten aufzuteilen. Die Herausforderung: Koordinieren, ohne die kommunale Autonomie zu beeinträchtigen.

3D im Verlauf der Arbeiten

Das Projekt sieht zwar mittelfristig eine detaillierte digitale Kartierung des Untergrunds vor, doch ist nicht vorgesehen, den gesamten Untergrund rückwirkend dreidimensional zu erfassen. In der ersten Phase würden die bereits verfügbaren Informationen zusammengeführt. Neue Leitungen, Sanierungen und offene Baugruben sollten hingegen in 3D erfasst werden. Die Kartierung würde so schrittweise an Genauigkeit gewinnen.

Der Zugang wäre zudem nicht vollständig öffentlich. Gewerbliche Nutzer müssten sich identifizieren, und bestimmte sensible Infrastrukturen könnten aus den öffentlichen Registern ausgeschlossen werden, wie beispielsweise Gasleitungen. Zugelassene Unternehmen müssen wissen, wo sie graben dürfen, ohne dass dabei alle Informationen für jedermann zugänglich sind.

Sicherere Baustellen

Im Rohbau zeigt sich der Nutzen direkt vor Ort. Kohärente, zentralisierte und schneller zugängliche Daten würden es ermöglichen, Erdarbeiten vorzubereiten, den Aufwand bei der Koordination mit zahlreichen Ansprechpartnern zu begrenzen und das Risiko einer Leitungsbeschädigung zu verringern. Baustellenunterbrüche, Gefahren für die Teams und Versorgungsausfälle könnten so besser verhindert werden.

Das Tool würde auch die Wartung, Erneuerung und den Ausbau der Netze erleichtern, insbesondere der Fernwärmenetze. «Die Leute würden gerne über zentralisierte Daten verfügen, um keine Zeit zu verschwenden», betont Rainer Oggier. Dazu müssen jedoch Gemeinden, Betreiber, Kanton und Unternehmen von Anfang weg einbezogen werden. Denn der Mehrwert des künftigen Katasters hängt davon ab, dass alle Beteiligten in der Lage sind, ihn zu füttern, auf dem neuesten Stand zu halten und nach gemeinsamen Regeln zu  nutzen.

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