
3PUNKT44 ist weniger eine eigenständige Skulptur in der Landschaft, sondern vielmehr als Intervention konzipiert, die sich mit der bestehenden Umgebung verbindet. Sibylla Walpen wollte die Beziehung zwischen natürlicher Landschaft und menschlicher Konstruktion erforschen und nahm dabei die Infrastruktur des Stalden-Tunnels als Ausgangspunkt.
«Ich wollte keine eigenständige Skulptur schaffen, sondern ein Werk, das sich auf den Kontext bezieht», erklärt die Künstlerin. Der Tunnel erschien ihr als perfektes Symbol für diese Begegnung zwischen Natur und Technik: ein Ort, an dem der Berg durchquert, verändert, aber auch offenbart wird.
In ihrer künstlerischen Praxis nimmt das Motiv der Öffnung übrigens einen wichtigen Platz ein. «Sie ermöglicht es, auf die eine und die andere Seite zu sehen. Räume zu verbinden, wie der Tunnel», präzisiert sie. Aus dieser Überlegung entstand die Idee einer einfachen und kraftvollen Geste: sich eine Art «Piercing» im Berg vorzustellen. Nachdem sie dieses Konzept bereits in einem früheren Werk erforscht hatte, wollte die Künstlerin es hier auf die Dimension eines Strassentunnels übertragen.
Dialog zwischen Kunst und Technik
Wie so oft bei Kunst am Bau-Projekten wurde die künstlerische Dimension in enger Zusammenarbeit mit den technischen Akteuren entwickelt. Sibylla Walpen tauschte sich daher mit dem Ingenieur des Kantons Wallis, Gaston Roth, und dem Projektleiter Christoph Grand aus, um ihre Idee an die baulichen Gegebenheiten anzupassen.
«Nach den Gesprächen habe ich das Projekt verfeinert, um zu grosse Auswirkungen auf den Tunnel zu vermeiden, insbesondere um potenzielle Probleme mit Wasserinfiltrationen zu verhindern», erklärt sie. Die gewählte Lösung besteht aus einem monumentalen Ring, der auf beiden Seiten der Infrastruktur befestigt ist, ohne diese zu durchqueren, aber den Eindruck vermittelt, dies zu tun.
Dieser Dialog zwischen Kreativität und Technik veranschaulicht die Besonderheit künstlerischer Interventionen, die in Architektur und Infrastruktur integriert sind. Sie müssen Sicherheits-, Verkehrs- und Nachhaltigkeitsauflagen berücksichtigen und gleichzeitig eine starke künstlerische Identität bewahren.
Ein Projekt, das in der lokalen Struktur verankert ist
Das Werk verdankt seine Entstehung auch der Zusammenarbeit mit mehreren regionalen Unternehmen. Die Künstlerin wollte sich mit lokalem Know-how umgeben, insbesondere für die Herstellung der Stahlkonstruktion.
Das Teil mit einem Durchmesser von 3,44 Metern, das dem Werk seinen Namen gibt, wurde mit Unterstützung von Nino Brunner vom auf Stahlbau spezialisierten Unternehmen Stahleinbau hergestellt, bevor Ardient Shabani von der Karosseriewerkstatt CICO die Beschichtung fertigstellte. Stahleinbau, das mit komplexen Bauvorhaben in alpiner Umgebung vertraut ist, war an der Herstellung und Montage des Rings beteiligt und koordinierte die erforderlichen Massnahmen, wie beispielsweise vorübergehende Verkehrsunterbrechungen. „Für mich war es wichtig, mit Unternehmen aus der Region zusammenzuarbeiten, die mit solchen Bauvorhaben in den Bergen vertraut sind.“
Ein Werk, das Massstäbe setzt
Das im öffentlichen Raum installierte Werk 3PUNKT44 spielt mit der Wahrnehmung des Betrachters. Von der Strasse aus, insbesondere aus einem fahrenden Auto, wirkt das Werk unauffällig, fast minimalistisch. Nähert man sich ihm jedoch zu Fuss, wird seine Dimension vollends sichtbar. Der Durchmesser des Rings entspricht übrigens dem maximalen Durchmesser der Brückenpfeiler auf Ebene 0, wo fast niemand ihre massive Grösse in der Schlucht wahrnimmt. Das Bauwerk wird nur durch seine Oberfläche wahrgenommen. Der Ring ermöglicht es somit, den Durchmesser von 3,44 Metern in den sichtbaren Bereich zu bringen und diese Dimension greifbar zu machen.
«Es gibt ein Wechselspiel zwischen der Fernsicht und dem tatsächlichen Massstab», betont Sibylla Walpen. Der Kreis erinnert sowohl an ein Rad, ein wiederkehrendes Motiv im Strassenverkehr, als auch an eine symbolträchtige Form. Der Ring verstärkt zudem dieses kreisförmige Spiel und steht im Dialog mit den Linien und Schatten der Brücke und der Kurve der Strasseninfrastruktur.
Wenn Kunst auf Baukunst trifft
Für einen Künstler ist ein Kunst-am-Bau-Projekt eine besondere Erfahrung. Über die wirtschaftliche Chance hinaus – die für den Lebensunterhalt in diesem Beruf unerlässlich ist – bietet es auch ein anderes kreatives Terrain als das Atelier.
„Die Einschränkungen sind anders, aber das bereichert die Praxis enorm“, sagt die Künstlerin. „Diese Art von Projekt beeinflusst dann meine Arbeit im Atelier und umgekehrt.“ Da das Werk im öffentlichen Raum ausgestellt ist, kommt es in direkten Kontakt mit Passanten und Nutzern der Infrastruktur. Daraus entsteht ein offener, manchmal unerwarteter Dialog, der den Reichtum dieser in die gebaute Landschaft integrierten künstlerischen Interventionen ausmacht.